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Ich bin irritiert. Manchmal. Von mir selbst. Dann bin ich unsicher, ob ich mir trauen kann. Ob ich wirklich will, was ich sage oder ob ich mir das vielleicht nur selbst einrede.Bin ich tatsächlich beziehungsunfähig? Ist das vielleicht nur eine Entschuldigung mir selbst gegenüber. Ein Schutz. Zu sagen ich bin nicht einsam. Zu sagen Beziehungen engen mich ein. Zu sagen ich will keine Kompromisse. Zu sagen ich will frei sein. Ist das vielleicht nur Trotz. Trotz, weil ich so lange keine Kompromisse machen musste. Weil ich so lange nicht in einer Umarmung fast erstickt bin. Weil ich so lange keine Zweisamkeit gespürt habe, dass ich vergessen habe, dass dieses permanente Gefühl Einsamkeit ist?Ich bin mir unsicher. Nur manchmal. Nur wenn ich eingerollt auf der Couch Liebesfilme schaue, mit einem Glas Wein. Nur wenn mir die Arbeit Zeit lässt zur Ruhe zu kommen. Dann bin ich irritiert. Manchmal. Von mir selbst. Dann bin ich unsicher, ob ich mir trauen kann.
23.7.17 20:59


Lust

Ich hab es getan. Wieder. Nach über einem halben Jahr hatte ich Sex. Unverbindlich, wie so viele Male zuvor.Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich gebraucht habe. Tiger und ich haben uns ein ruhiges Leben eingerichtet. Arbeiten, mit Freunden ausgehen und in den Urlaub fahren. Wir haben es behaglich, sind ungestört und frei. Von dem Gedanken zu heiraten, Kinder zu bekommen und mit der Familie in einem kleinen Haus mit Garten außerhalb der Stadt zu wohnen, habe ich mich schon vor langer Zeit verabschiedet.Ich denke, ich bin einfach kein Beziehungsmensch, ich brauche zu viel Freiraum.Und auch Sex hat mir nicht wirklich gefehlt und dann tauchst du wieder auf - meine Liasson, nach so langer Zeit. Unser Sex war immer gut. Es war unkompliziert mit dir und ich dachte, ich ergreife die Chance, kann ja nicht schaden. Das dachte ich jedenfalls.Sei unbesorgt, ich habe mich nicht nach all dieser Zeit plötzlich Hals über Kopf in dich verliebt. Du bist nicht der Grund, weshalb alles aus dem Ruder lief. Auch nicht unser Sex. Es waren die wenigen Minuten danach. Unsere ritualisierte Zigarette danach. Auf dem Balkon, ganz nah. Du hast mich festgehalten und geküsst und wir haben geplaudert. Wie immer. Nur dieses Mal anders. Du warst nicht der Grund. Du warst der Auslöser.Der Auslöser dafür, dass ich spürte, dass meine kleine perfekte Welt doch nur eine Fassade ist. Dass ich nicht alleine bleiben will. Dass mir zwischenmenschliche Nähe, Geborgenheit und Liebe fehlen. Es war so lang her, dass ich die Haut eines anderen auf meiner gespürt habe, dass jemand so nah war.Und mein Körper hat geschrien nach der Nähe, nach dem Gefühl deines Atems auf meiner Haut. Nicht vor Lust sondern vor Sehnsucht danach, dass da irgendwo doch jemand ist, den ich lieben, dem ich nah sein kann, den ich vielleicht sogar heiraten möchte.Du bist nicht der Grund, aber der Auslöser dafür, dass ich meine Einsamkeit wieder spüre.
14.7.17 21:22


Seiltanz bei Orkanwarnung

Die letzten Monate mit ihm waren wie ein nicht enden wollendes Schleudertrauma. Immer hin- und hergeworfen zwischen seinen sich stets drehenden Stimmungen. Manchmal fiel es ihr sogar schwer nicht den Anschluss zu verlieren. Auf tiefste, innige und herzerweichende Momente folgten manchmal euphorische Wochen voller Nähe. Doch genauso schnell , wie diese Momente kamen, genauso plötzlich konnte alles in das Gegenteil umschlagen, dann folgten Schweigen, Distanz, oft auch Verletzungen. Einen Auslöser dafür konnte sie nie wirklich erkennen. Manchmal vermutete sie, je schöner es gewesen war, desto stärker fielen seine Verletzungen aus. Also befand sie sich in einem permanenten Stadium der Aufmerksamkeit, versuchte Anzeichen auf drohendes Unheil bestmöglich vorauszuahnen. Bisweilen klappte das auch, ab und an überraschte er sie, weil seine Liebe ganz plötzlich grenzenlos schien. Dann plante er gemeinsamen Urlaub, kaufte bereits Reiseführer und plante Tagestouren. Doch es gab auch ganz andere Momente, wenn er wieder fast beiläufig von einem Date erzählte, das er am Wochenende hatte. Sie hatte immer gewusst, dass sie unmöglich zusammen alt werden würden. Dauerhaft würde sie diese distanzierte und oft schroffe Art nicht aushalten können. Insgeheim hielt sie ihn für beziehungsunfähig und hatte ihm dies sogar einmal an den Kopf geworfen, er hatte es nicht einmal abgestritten. Ihren Freunden hatte sie aufgehört zu erklären, was sie so sehr an ihm anzog, dass sie doch immer und immer wieder schwach wurde, wohlwissend, dass der nächste Absturz nur Minuten entfernt sein konnte. Sich mit ihm zu umgeben war wie Seiltanzen während einer Orkanwarnung. Sie hatte schließlich allen mitgeteilt, dass es wohl solange bei diesem Himmelfahrtskommando bleiben würde, bis einer von ihnen sich tatsächlich ernsthaft, kompromisslos und unendlich verlieben würde. Im Stillen hatte sie oft gebetet, es möge nicht er sein, der schließlich ein neues Objekt der Begierde um den Finger wickeln würde, denn sie musste sich eingestehen, dass sie selbst nicht wusste, wie sie mit dieser Situation dann umgehen sollte. Dass es jetzt sie war, die ganz plötzlich, am tiefsten Punkt ihres verhängnisvollen Intermezzos Gefühle für einen anderen Mann entwickelte, traf sie völlig unvorbereitet. Es schien wie ein lange erhoffter Wink des Himmels, dass die Zeiten des unendlichen Aufs und Abs ein für alle Mal vorüber waren. Dass sie selbst wieder die Macht über ihr Herz zurückerobert hatte und dass dieses tatsächlich soweit unbeschadet geblieben war, dass es beim Anblick eines anderen in ein rasantes und kraftvolles pulsieren verfallen war. Manchmal dachte sie noch an ihn. Ärgerte sich für einen Moment, dass er ihre Offenbarung, er habe den Bogen nun endgültig überspannt und er solle in naher Zukunft keine Nachrichten von ihrer Seite erwarten, so klaglos - ja schweigend hingenommen hatte. Dass er bis heute keinen Versuch unternommen hatte, die Wogen zu glätten. Dass er selbst nun beharrlich schwieg und ihr den Eindruck vermittelte, er habe sie achselzuckend abgeschrieben. Doch bereits nach wenigen Sekunden war die Wut verflogen und sie erkannte, dass gerade dies ihre Entscheidung nur bestätigte. Sie hatte ihre Freunde nicht belogen und auch sich selbst nicht. Tatsächlich hatte sie sich gelöst, hatte jemanden gefunden, dem sie vertrauen konnte, dem sie nah sein konnte, der sie nicht absichtlich verletzte. Und das erste Mal seit vielen Monaten fühlte sich das Leben nicht an wie ein Schleudertrauma, es fühlte sich an, als würde sie an einem milden Frühlingstag spüren, wie die Sonnenstrahlen ganz sanft ihre wunde Seele streichelten.
2.6.16 21:17


Zehn Tage

Seit zehn Tagen haben wir uns nicht gesehen. Dafür mindestens 500 Nachrichten hin und hergeschickt. Über das was vor zehn Tagen gewesen ist, schweigen wir. Wahrscheinlich wagen wir nicht einmal daran zu denken. Nicht weil wir es bereuen, sondern weil wir einfach nicht wissen was es bedeutet hat.

Im Prinzip war klar, dass das passieren würde. Es war mir klar und es war dir klar. Schon in dem Moment als ich eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht habe und spätestens als du behauptet hast, dass du auf der Couch schlafen würdest.

Schon auf der Party konnte ich eigentlich nur noch an dich denken. In meinem Kopf hatte ich so viele kluge Sätze aneinandergereiht, als es wichtig war verließ nicht ein einziger meinen Mund.

Als du ganz frech in das gleiche Bett geschlüpft bist, bin ich nicht aufgestanden, um auf die Couch zu gehen und als dein Kopf auf meine Schulter sank habe ich mich nicht weggedreht, sondern dir in die Augen geschaut.

Vielleicht habe ich gehofft, dass dir meine Augen zeigen, was mein Verstand dir nicht sagen konnte. Wie sehr du mir fehlst, wie verletzlich ich bin. Du hast mich trotzdem  geküsst und ich habe mich dir hingegeben. Ein stiller Kuss. Leise. Sanft. Ich habe all die Sehnsucht gespürt, die uns begleitet, seit du beschlossen hast, dass es nicht funktionieren kann. Es war nicht wild, nicht als müssten wir einen unendlichen Hunger stillen. Es war zart, ein bisschen ängstlich, die Angst davor zu zerbrechen und genau jetzt etwas kaputt zu machen. Ein Herz oder zwei Herzen.

Es hat sich so tief angefühlt, so richtig. Dieser Kuss war perfekt. Und ganz plötzlich war alles wie es immer war zwischen uns. Nah und vertraut. Bis ich wieder gehen musste.

Der Kuss steht nicht zwischen uns, er verbindet uns mit einem Fragezeichen. War seine Bedeutung groß genug? War das der Start für 2.0 oder doch nur ein letzter Moment dessen was wir hatten und von dem wir uns verabschieden müssen?

Vielleicht brauchen wir Zeit. Vielleicht sollten wir uns einfach öfter küssen. Vielleicht sollten wir auf unsere Seelen hören, damit aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen wird.

2.6.16 21:17


Muhammad und Juljan - zwei Prototypen

Viele sagen, wir haben keinen Platz für all die Flüchtlinge, keine Kapazitäten alle diese Menschen aufzunehmen.

Viele sagen, es wird Konflikte geben, die Demokratie werde gefährdet, der Sozialstaat überlastet. Die Wirtschaftsflüchtlinge müssten auf jeden Fall zurückgehen, dahin woher sie gekommen sind. Sie hätten kein Recht auf Asyl, sie wollen uns nur auf der Tasche liegen.

Flüchtlinge könnten nicht integriert werden. Sie würden unsere Wohnungspreise in die Höhe treiben, unser Land überfremden.

Für sie ist in unserem reichen Land kein Platz, heißt es.

Ich arbeite mit ihnen. Jeden Tag. Mit den Kindern. Mit Kriegsflüchtlingen aus Syrien, mit Wirtschaftsflüchtlingen aus Albanien. Mit den Kleinen, die am allerwenigsten dafür können. Ich höre ihre Geschichten, ich sehe in ihre Gesichter.

Jede Woche erreichen uns neue Kinder, die in meine Schule gehen. Die Geschichten berühren, jede einzelne. Aus bloßen Zahlen, werden Individuen. Jeder mit eigenen Gründen für die Flucht.

Da ist der kleine Juljan, der im Februar mit seiner Familie nach Deutschland gekommen ist. In Albanien waren sie Ziegenhirten, knapp 150 Ziegen und einen Hund hatte die Familie dort. Doch das Leben war hart und das Geld reichte kaum, um zu überleben. Die Eltern sahen keine Perspektive für ihre beiden Kinder. Also verkauften sie alles. Ihre Ziegen und ihr Haus. Sie fanden einen Schleuser der sie nach Deutschland brachte. Juljan hätte gerne auch seinen Hund mitgenommen, aber das ging natürlich nicht. Für Haustiere und Erinnerungsstücke gab es nicht genügend Platz. Um den Hund wollte sich niemand kümmern, ein weiteres Maul wollte keiner der Nachbarn stopfen müssen. Also musste der kleine Juljan mitansehen, wie man seinen Hund erschoss.

Er ist ein kluges Kind, sein Deutsch ist inzwischen fast perfekt. Zweimal die Woche bekommt er noch Deutschunterricht, sonst arbeitet er in der Klasse mit. In Mathe ist er der schnellste und in Englisch der beste. Er ist beliebt, jeder möchte mit ihm arbeiten, auf dem Schulhof ist er immer mitten drin. Er ist ehrgeizig und entschlossen. Gerade habe ich mit der Schulleitung verhandelt, ihn auf ein Gymnasium zu schicken. Dann die Nachricht. Im nächsten Monat ist ihre Anhörung wegen des Asylantrags, Albanien ist inzwischen ein sicherer Drittstaat. Das weiß auch die Familie. Sie stellen sich darauf ein, dass sie Deutschland bald wieder verlassen müssen. Was dann mit ihnen passieren wird, weiß keiner. In ihrer Heimat besitzen sie nichts mehr. All ihr Erspartes haben sie für die Schleuser bezahlt. Sie sind verzweifelt, aber Juljan ist tapfer. Er lernt weiter Deutsch. Er gibt die Hoffnung nicht auf.

Dann ist da Muhammad. Er geht jetzt in die 10. Klasse, am Montag ist er mit seinem kleinen Bruder an der Hand in unsere Schule gekommen. Sein Bruder ist 12. Seit zwei Wochen sind sie in Deutschland. Nur die zwei. Sie waren Monate auf dem Weg von Syrien nach Deutschland. Wo ihre Eltern sind, ist unbekannt. Sie sprechen kein Deutsch, kein Englisch. Zwei Kinder, monatelang allein auf der Flucht. In einem fremden Land angekommen. Muhammad ist stark für seinen Bruder. Die Lehrer kommunizieren über eine arabisch-app mit ihm. Er will unbedingt so schnell es geht Deutsch lernen. Am Mittwoch habe ich Pausenhofaufsicht. Als ich am Fußballplatz vorbeikomme muss ich lächeln. Muhammad steht im Tor. Zwanzig Jungs fegen in wildem Eifer über den Fußballplatz. Sie sind zwischen 10 und 16. Sie spielen alle gemeinsam. Für sie macht es keinen Unterschied wie alt sie sind und woher sie kommen. Sie haben schnell erkannt, das Muhammad ein guter Torwart ist, dass er ihre Sprache nicht versteht ist ihnen egal.

Zwei Beispiele von so vielen. Alle Flüchtlinge an unserer Schule haben schwere Schicksale erlitten, egal ob sie aus dem Krieg oder aus Armut geflohen sind. Sie haben unendliche Strapazen auf sich genommen, um hier ein besseres Leben zu finden. Sie haben alles aufgegeben und zurückgelassen. Sie sind tapfer und stark und sie wollen unbedingt hier eine Heimat finden. Sie lernen Deutsch, sie integrieren sich. Sie geben ihr bestes.

Keiner von ihnen hat es verdient zurückgeschickt zu werden. Keiner von ihnen sollte beschimpft werden. Jeder dieser hundertausenden von Flüchtlingen hat seine Geschichte. Und wir haben die Ressourcen, das Geld und den Platz, um sie aufzunehmen. Sie sind gekommen um hier zu leben, um zu arbeiten, teilzunehmen und glücklich zu sein.

Meine Schüler zeigen wie es geht. Es ist erst einmal nicht wichtig welche Sprache sie sprechen oder woher sie kommen, wichtig ist nur, was sie können und dass sie hier sein wollen.

17.10.15 15:14


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